Willkommen im Projekt DISEMEX!                                                                            Im Browser anschauen

WARUM haben wir DISEMEX gestartet?

Eines der erklärten Ziele der Politik der Europäischen Union, das im Einklang mit der Charta der Grundrechte der EU und dem Vertrag über die Arbeitsweise der EU steht, ist die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation von Menschen mit Behinderungen, die Überwindung ihrer Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt und die Gewährleistung ihres Rechts auf selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, was sich im Konzept der Inklusion widerspiegelt.

Unser Projekt: DISEMEX – DISability EMployment EXperts

Das im September 2018 gestartete Projekt DISEMEX zielt darauf ab, Best-Practice-Beispiele für die Eingliederung von Menschen mit Behinderungen am ersten Arbeitsmarkt zu analysieren und strukturell zu vergleichen, wobei die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen als wichtigster Faktor ihrer sozialen Integration betrachtet wird. Auf dieser Grundlage sollen langfristige Leitlinien zur Anwendbarkeit und Übertragbarkeit auf andere Länder und Themenbereiche entwickelt werden.

Im Rahmen des Projekts betrachteten die Mitglieder von 9 Organisationen aus 8 Ländern der EU (Bulgarien, Deutschland, Italien, Polen, Rumänien, Slowenien, Großbritannien) und der Türkei die Beschäftigungsmodelle für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in ihren jeweiligen Ländern, untersuchten sie und wählten die Best-Practice-Beispiele aus, um mögliche innovative Lösungen für einen höheren Grad einer beruflichen Eingliederung der Betroffenen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden. Die Ergebnisse werden künftig auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene als positive Beispiele gefördert, um die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Akteure zu ermutigen, die bestehenden Beschäftigungsmodelle zu aktualisieren und so eine größere Vielfalt und qualitativ hochwertigere Beschäftigungsmöglichkeiten auf gleichberechtigter Basis zu schaffen, wie in Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention (CRPD) festgelegt ist.

Im Laufe des Projekts haben die Partner einen Fragebogen erarbeitet, der von einer Reihe von privatwirtschaftlichen Unternehmen und gesellschaftlichen Einrichtungen ausgefüllt wurde und der dazu beitragen sollte, die besten Praktiken unter den spezifischen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen des jeweiligen Landes oder der Region auszuwählen und zu bewerten. Einige dieser ausgewählten Beispiele wurden dann den Partnern während der 9 transnationalen Projekttreffen im Land jedes Partners vorgestellt. Einige der Ergebnisse und Beispiele wurden auf der internationalen Konferenz DISEMEX+East im September 2019 in Düsseldorf weiter vorgestellt.

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DISEMEX + EAST

Am 5. Juli 2019 startete INTAMT ein neues Projekt DISEMEX + East zur Promotion der beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Zusatzbezeichnung „East“ bezieht sich auf die Länder der Östlichen Partnerschaft der EU und Russland und umfasst 9 Organisationen aus 6 Ländern (Armenien, Belarus, Georgien, Moldau, die Ukraine und Russland). Den Höhepunkt des Programms stellte die internationale Konferenz „Gemeinsam Inklusion stärken“ dar, die  am 19. September im CCD Süd (Halle der Messe Düsseldorf) im Rahmen der Rehacare International 2019 stattfand.

Mehr über die Konferenz (engl)

Ein Teil dieser Erfolgsgeschichten wurde entweder von den Partnern gefilmt oder es wurde bereits vorhandenes Videomaterial zur Beschreibung des Falles erworben, um die Beispiele zu veranschaulichen.

Wir freuen uns über die Gelegenheit, diese Geschichten mit Ihnen teilen zu können und wünschen uns, dass sie Ihnen Hoffnung geben und Sie auf neue inspirierende Ideen bringen!

DEUTSCHLAND

Während des Kickoff-Treffens wurde den Partnern das erste Best-Practice-Beispiel, das Integrationsunternehmen ProjektRouter aus Köln, das auf die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit geistiger Behinderung spezialisiert ist, von einer seiner Gründungsmitglieder, Monika Labruier, vorgestellt.

Seit 2003 entwickelt und realisiert der ProjektRouter e.V. neue individuell ausgerichtete Beschäftigungsformen für Menschen mit Behinderungen. Die grundlegende Ideologie hinter seinen Aktivitäten ist, dass behinderungsbedingte Einschränkungen und persönliche Unterstützungsbedürfnisse keine Ausgrenzungs-kriterien sein sollten. ProjektRouter ist überzeugt, dass viele Menschen mit Behinderungen ihren Platz im normalen Arbeitsleben finden können.

Sowohl der Mensch selbst als auch das beschäftigende Unternehmen erfahren eine passgenaue Qualifizierung und eine im Bedarfsfall nachhaltige Unterstützung. Als Inklusionsdienstleister unterstützt die ProjektRouter gGmbH schon heute mehr als 280 Menschen mit Behinderung und mehr als 65 Unternehmen im Aufbau und in der Umsetzung maßgeschneiderter beruflicher Wege. Seit 2005 bietet ProjektRouter als Berufsbildungsanbieter Workshops für Menschen mit Behinderungen an und setzt sie als Integrationsbetrieb ein, wodurch ein breit gefächertes und aufsuchendes Angebot aus einer Hand entsteht. Mit der daraus möglichen Angebotspalette siedelt sich ProjektRouter in inklusionsbereiten Unternehmen an und baut mit einer Innensicht das passgenaue, individuell ausgerichtete Qualifizierungs- und Unterstützungs-angebot für Menschen mit Behinderung auf.

Das Motto der Organisation, "Behinderte lernen und arbeiten, wo alle anderen auch lernen und arbeiten - in Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes", spiegelt die Ansichten des Konsortiums perfekt wider.

Yuri Nikitin, Coordinator and the managing director of INTAMT

Die Denkweise ist das, was am meisten zählt

Ein Interview mit der Protagonistin unserer nächsten Erfolgsgeschichte wurde während des Projekttreffens in Düsseldorf im September 2019 vorgestellt. Lina Maria Kotschedoff hat die Sehkraft von nur noch fünf Prozent und sieht die Welt wie durch ein Milchglas. Das konnte sie nicht daran hindern, eine Karriere als Community und Start-up Managerin zu beginnen: Zurzeit arbeitet sie bei den Stadtwerken Düsseldorf und gleichzeitig führt und berät sie die Start-up-Community. Seit Anfang 2020 ist Lina Maria als selbständige Beraterin tätig. Ihre Erfolgsstrategie besteht darin, transparent und offen mit ihrer Behinderung, ihren Schwächen und Stärken umzugehen und dies der Arbeitswelt zu vermitteln. Obwohl sie alle technische Unterstützung hat, die sie bekommen kann, sagt sie, dass das Wichtigste für die berufliche Eingliederung nicht die technische Ausstattung, sondern der Geist der Unternehmenskultur ist.

ITALIEN

Dank der 1991 eingeführten Gesetzgebung zur Unterstützung von sozialen Genossenschaften (cooperativa sociale) ist es möglich geworden, Unternehmen zu gründen, die Menschen mit Behinderungen beschäftigen. Die Sozialgenossenschaft "Il Girasole" aus einer Kleinstadt in Castel-buono in Sizilien wurde von dem lokalen Sozial-arbeiter Tommaso Marino vorgestellt, der seit 15 Jahren das Konzept des Sozialmanagements umsetzt und verschiedene berufliche Kompetenzen für lokale Menschen mit Behinderungen vermittelt. Seine tatkräftige Arbeit führte unter anderem zur Eröffnung von zwei Restaurants, in denen Menschen mit geistiger Behinderung eine Möglichkeit erhalten, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Das 3. Restaurant soll im Juni 2020 eröffnet werden und wird auch den Lieferservice anbieten, der von Mitarbeitern mit Behinderungen erledigt wird. Das Restaurant, in dem 8 Menschen mit Behinderungen arbeiten, wurde durch den Besitzer und zwei Mitarbeiter vorgestellt. Beide erzählten, wie glücklich sie sind, im Restaurant zu arbeiten und wie sehr sie ihre Arbeit lieben. Das Restaurant selbst wird als gewöhnliches privatwirtschaftliches Unternehmen betrieben, das keine öffentlichen Subventionen erhält und dessen Nachhaltigkeit allein auf der Motivation und dem Engagement der beteiligten Personen sowie der lokalen Gemeinschaft beruht, die das Restaurant als eine herausragende soziale Initiative unterstützt.

Stereotypen trotzen

"Ich liebe diesen Job!" Antonio La Porta, 21-jähriger Kellner (Restaurant “Un posto tranquillo”)

Es gibt das weit verbreitete Vorurteil, dass Menschen mit Behinderungen, insbesondere solchen mit Geistesbehinderungen, Belastbarkeit, Zielstrebigkeit, Konzentration, die Fähigkeit zu selbständigem Arbeiten sowie Kommunikationsfähigkeiten fehlen, und dass die Gesellschaft nicht bereit ist ihre Art der Vielfalt in bestimmten Bereichen des Arbeitslebens zu akzeptieren. Italienisches Essen ist sagenhaft, aber die Arbeit in der Gastronomie bedeutet ständigen Stress, eine ständige Interaktion mit Menschen, sie beinhaltet die Notwendigkeit, immer wieder das Vertrauen der Kunden gewinnen zu müssen. Die Akzeptanz spielt eine grundlegende Rolle in dieser Branche. Unser nächstes Best-Practice-Beispiel zeigt, dass es sehr gut möglich ist, auch in diesem Bereich Akzeptanz und Erfolg zu erzielen. Es geht auch darum, wie eine direkte Interaktion von Angesicht zu Angesicht die Meinung ändert. "Es dauerte eine Weile, sich aufeinander einzustimmen, aber dann wurde es natürlich und wunderbar" - sagt der Chef des Restaurants Giuseppe Pinzino, als er über die Ausbildung sprach; „Aber das stimmt auch, wenn es um die Inklusion im Allgemeinen geht. Und es lohnt sich, das zu tun, um zum Schluss von den Mitarbeitern mit besonderen Bedürfnissen zu hören: “I liebe diesen Job!" und "Meine Güte, ich liebe dieses Leben!"

TÜRKEI

Wenn die Barrieren verschwinden

Unser nächstes Beispiel führt uns nach Izmir und zeigt uns die beeindruckende Karriere eines jungen erfolgreichen Textilingenieurs. Niyazi Koçak ist HR-Manager bei Hugo Boss Textile Industry Ltd in Izmir. Er begann als Praktikant, absolvierte ein Textilingenieurstudium und arbeitete in allen Bereichen des Unternehmens, von der Produktion bis zum Büro, immer auf dem Weg zum nächsten beruflichen Höhepunkt, und all das im Rollstuhl. "Ich hatte viele Barrieren draußen, aber keine Probleme mit dem Zugang hier bei HUGO BOSS", sagt er. Sein Fazit ist: die Menschen mit Behinderungen zu akzeptieren, sie Teil der Gemeinschaft werden zu lassen, ihnen einen Raum zu geben, in dem sie ihr Potenzial entwickeln können, ihnen zu vertrauen, dass sie die Arbeit erledigen, ihnen Zeit zu geben, das Erreichte aufrechtzuerhalten und aufzubauen, tun Sie es für alle. Trotz seiner eingeschränkten Mobilität ist Niyazi Koçak vom Praktikanten zu einem leitenden HR-Manager hochgeklettert.

HUGO BOSS Textile Industry Ltd (Izmir) wurde von der Nationalen Arbeitsagentur für die hohe Zahl der Beschäftigten mit Behinderungen ausgezeichnet. Das Unternehmen steht auch dafür, in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen, mit lokalen und regionalen Behörden, die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen zu fördern, barrierefreie Räume - in jeder Hinsicht - für behinderte Mitarbeiter zu schaffen, damit diese so handeln und sich so weiterentwickeln können, wie sie sind. Derzeit haben 117 von fast 15.000 Mitarbeitern von Unternehmen weltweit besondere Bedürfnisse. Niemand hier macht einen Unterschied, ob man behindert ist oder nicht, zusammen geht uns einfach wunderbar, so Niyazi Koçak.

DISEMEX Projektpartner:

Koordinator: Die Internationale Akademie für Management und Technologie (INTAMT) e.V. (Deutschland)

Die Internationale Akademie für Management und Technologie (INTAMT) ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 2005 im Bereich des internationalen Wissenstransfers und Erfahrungsaustausches sowie der Entwicklung und Umsetzung von beruflichen Fort- und Weiterbildungsangeboten tätig ist.

Unser Kernprodukt ist die bedarfsgerechte Verknüpfung von Know-how und Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, Bildung, öffentlichen Verwaltung, Technologie sowie modernen Betriebswirtschaftslehre. Sektorübergreifend orientieren wir uns hierbei an organisatorischen und technischen Innovationen.

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Bulgarische Entwicklungsagentur (Bulgarien)

Die Bulgarische Entwicklungsagentur (BDA) mit dem Sitz in Sofia ist ein gemeinnütziger Verein, der gemeinnützige Aktivitäten ausführt. Der Verein hat das Ziel, zur regionalen Entwicklung sowie zur Förderung von Demokratie- und Integrationsprozessen im Kontext einer Wissensgesellschaft beizutragen, und zwar durch die Ausarbeitung, Lokalisierung und den Transfer von innovativen Produkten, Materialien und Methoden im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Zu seinen Schwerpunkten gehören Analyse, Transfer und Verbreitung von Best Practices; Gründung und Förderung von Exzellenzzentren, Einrichtung und Popularisierung von Netzwerken der beruflichen Bildung; Förderung von digitalen Fertigkeiten und digitalen Datenspuren für Jugendliche und Erwachsene.

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